ABSCHIED

Alles hat seine Zeit… so weiß es der Prediger zu berichten, um dann in den ersten acht Versen des dritten Kapitels seines biblischen Buches die verschiedensten Tätigkeiten und Geschehnisse aufzuzählen, die zum Leben dazu gehören, und es auf die ein oder andere Weise bestimmen.

Abschied kommt dabei interessanter Weise nicht vor. Aber um Abschied geht es.

Zehn lange, aber gleichzeitig sehr gefüllte und dementsprechend kurzweilige Jahre war es mir vergönnt, an der Hoffnungskirche in Leverkusen-Rheindorf als Gemeindepfarrer tätig zu sein.

Davon hatte ich damals nicht zu träumen gewagt, als ich „in Kognition“ beim Johannisfest am 29.06.2011 – kurz nachdem meine spätere Pfarrstelle zur Besetzung ausgeschrieben war – zum ersten Mal die Hoffnungskirche besuchte, um mir einen Eindruck von der Gemeinde und den Örtlichkeiten zu verschaffen.

Am Abend nach einem gelungenen Fest sprach ich Frau Pfarrerin Zapf Mankel an, gab mich als potenzieller Bewerber zu erkennen und sagte ihr meine Bewerbungsunterlagen zeitnah zu.

Mit meiner Wahl in die Pfarrstelle im November 2011, dem Start zum darauffolgenden Jahresbeginn und einem unvergessenen Einführungsgottesdienst am 5. Februar 2012 – wo mir viele Erwartungen, aber vor allen Dingen viel Offenheit und Herzlichkeit entgegengebracht wurden – begann für meine Frau und mich ein neuer Lebensabschnitt an einem sehr schnell vertrauter werdenden Ort.

Die Begegnungen mit Menschen in der Gemeinde, die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden und der rege Austausch mit dem im März 2012 neu konstituierten Presbyterium haben mir den Einstieg damals leicht gemacht.

Ich habe gerne in der und für die Gemeinde gearbeitet. Nur wenige Dinge will ich hervorheben, die diese Arbeit geprägt haben: Die Begleitung von Gruppen und Kreisen,  die Gottesdienste in und mit der Kita Burgzwerge, die Konfirmandenarbeit in Kooperation mit unserer Jugendleiterin Andrea Zöll, die Schulgottesdienste in enger ökumenischer Zusammenarbeit mit dem kath. Gemeindereferenten Antonino Rizza, mein Engagement im Bereich der Notfallseelsorge auf Kirchenkreisebene – und dann war da noch die Nähe zu den Menschen in der Seelsorge, bei Taufen, Trauungen und vor allem Beerdigungen. Auch bleiben mir manche Stunden intensiver Gartenarbeit in Erinnerung. Während die Hände das Unkraut zupften, konnte ich meine Gedanken schweifen lassen. So entstanden viele Predigtideen, die nach getaner Gartenarbeit dann aufs Papier gebracht wurden, um am Sonntagmorgen die Gottesdienstgestaltung mit zu bestimmen.

Ein tiefer Einschnitt für die Gemeindearbeit war auch für mich das Ausscheiden von Frau Zapf Mankel aus ihrem aktiven Dienst als Pfarrerin in Rheindorf zum Januar 2016. Bekanntlich wurde die Stelle nicht nachbesetzt, und so waren die zusätzlichen Belastungen – trotz aller dankenswerter Bemühungen des Presbyteriums pfarramtliche Aufgaben umzustrukturieren und anders zu verteilen – für mich deutlich spürbar.

Umso mehr ergab sich aus dieser veränderten Ausgangssituation ein erneuter Anstoß über Kooperationen im Bereich des Pfarrdienstes und in anderen Bereichen der Gemeindearbeit auf der Ebene des Gesamtverbands ins Gespräch zu kommen.

In einem langen intensiven Beratungsprozess ist es den Presbyterien aus Küppersteg-Bürrig und Rheindorf dann gelungen, nicht nur Möglichkeiten der Kooperation und gegenseitigen Unterstützung auszuloten, sondern sich auf die Fusion beider Gemeinden zur Evangelischen Kirchengemeinde an Dhünn Wupper und Rhein zu einigen.

Dankbar bin ich in diesem Zusammenhang für viele intensive Gespräche und zielorientierte Beratungen in einer wertschätzenden, offenen Atmosphäre. Unter der professionellen Begleitung unseres externen Beraters Dr. Stefan Kirschgens war hier die Gelegenheit meinen Kollegen und jetzigen Superintendenten Bernd-Ekkehart Scholten, aber auch anderen Mitgliedern des Presbyteriums aus Küppersteg-Bürrig noch einmal ganz anders kennen und schätzen zu lernen.

Die Fusion startete mit dem sehr gut besuchten Fusionsgottesdienst am 5. Januar 2020 in der Hoffnungskirche. Nun sollte es also losgehen – mit gemeinsamen Aktivitäten über alte Gemeindegrenzen hinweg. Ein neues Wir-Gefühl sollte entstehen. Ein lebendiger Austausch zwischen Gruppen und Kreisen diesseits und jenseits der Wupper war geplant. Ganz neue, bisher nicht dagewesene Angebote sollten die Gemeindearbeit beleben und auch eher kirchenfremde Menschen ansprechen und in ihren Bann ziehen!

Und dann kam CORONA! LOCK-DOWN! Alle meine Wünsche und Träume für die letzten zwei Jahre meines Dienstes in der nun fusionierten Kirchengemeinde lösten sich in Luft auf: stattdessen Hygienekonzepte schreiben, alternative Formen der Gemeindearbeit planen, vorbereiten, umplanen und am Ende aller Mühen stand dann doch oft die Erkenntnis für den Papierkorb gearbeitet zu haben; wenige persönliche Kontakte, wenn überhaupt dann meist nur über das Telefon. Gottesdienste und Andachten als Online-Angebote, ungezählte Zoomsitzungen, Konfirmandenarbeit vor schwarzen Bildschirmen….

Zuletzt gab es  darüber hinaus ja auch noch die neunmonatige Vakanz Vertretung für die Pfarrstelle in Küppersteg-Bürrig. Hier gilt mein besonderer Dank unserer Diakonin Svenja Müller, die mich weit über das von ihr zu erwartende und entlohnte Maß in der Gemeindearbeit und insbesondere in der Vertretung von Gottesdiensten und bei Taufen und Beerdigungen unterstützt hat.

Alles in allem kann ich sagen: Nein, so hatte ich mir die letzten zwei Jahre meiner pfarramtlichen Tätigkeit wahrlich nicht vorgestellt – schade.

Aber nun scheinen ja langsam Dinge wieder möglich! Und so wünsche ich Ihnen als Gemeinde und vor allem unserer neuen Pfarrerin in Küppersteg-Bürrig Frau Jutta   Weigler gemeinsam mit Frau Müller, einem potenziellen Nachfolger bzw. einer potenziellen Nachfolgerin auf meiner Pfarrstelle und allen haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden, dass es gelingt, das versäumte nachzuholen, und die fusionierte Gemeinde zu einem Ort des gemeinschaftlichen Lebens und Handelns über Bezirksgrenzen hinweg werden zu lassen. Schön wäre es, würden Menschen hier spüren, dass sie Teil einer großen Gemeinschaft sind, wo in aller Vorläufigkeit gemeinsam ein Stück am Reiche Gottes mitgebaut wird.

Ich wünsche Gottes Segen für diese große Aufgabe die – wenn sie denn gelingen soll – der Unterstützung aller haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden und in gleicher Weise des Engagements möglichst vieler Gemeindeglieder bedarf.

In herzlicher Verbundenheit grüßt Ihr Pfarrer Hansgerd Mertzen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.